„Ich bin so entrüstet über die osteuropäischen Tötungsstationen!“

„Diese furchtbaren, grausamen Menschen, die herrenlose Hunde einschläfern. Das ist unmenschlich, herzlos und grausam.“

Verständlich. Nur: Aufgebrachte Kommentare machen die Situation nicht besser. Sich über ein Problem zu beschweren, räumt das Problem nicht aus der Welt.

Schauen wir uns also im einmal an, wo die Wurzel des Problems liegt und wie wir helfen können.

Zucht und Handel mit Welpen ist ein tödliches Geschäft

Die Abnehmer sind meist Deutsche, die sich einen günstigen Rassehund wünschen. Deshalb werden in  Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien Hündchen wie am Fließband produziert. Sogenannte „Wühltischwelpen“ sind oft krank, unverkäuflich und landen dann auf der Straße. Und dann im Tierheim.

So wie auch die kleine Hündin Leila. Sie wurde als Welpe in ein Tierheim in Ungarn gebracht. Dort hat sie kaum Wasser, kaum Futter. Es gibt keine liebevolle Zuwendung, im Winter keine Heizung. Wenn Menschen kommen: Todesangst in den Augen, bittende Blicke, verzweifeltes Winseln. Einige ihrer Leidensgenossen sterben bevor sie getötet werden und bleiben einfach am Boden liegen. Irgendwann ist das Tierheim voll, es muss Platz für neue Hunde geschaffen werden. Leila wird getötet. Langsam. Mit einem Nervengift, dass die Organe lähmt. Eine Narkose wäre zu teuer. Das Tier bleibt bei vollem Bewusstsein. Der Todeskampf dauert eine halbe Stunde. Sie atmet noch, als ein Mitarbeiter sie in den Container wirft. So wie 100.000 weitere Hunde pro Jahr.

EU-Abgeordnete wollen keinen Tierschutz

So ist es aber nicht nur in Ungarn. In vielen Ländern gibt es keine wirkungsvollen Tierschutzgesetze und es mangelt an Geld. So ist die Beseitigung von Straßenhunden in vielen osteuropäischen Ländern üblich.

Trotzdem erlangte ein im Jahr 2009 eingereichter Antrag mit dem Ziel, ein europaweit gültiges Tierschutzgesetz zu etablieren, die „Erklärung Nr.12“, nicht die erforderliche mehrheitliche Unterstützung der EU-Abgeordneten – 99 von ihnen wollten diese nicht unterzeichnen.

„Tut uns leid, wir sind voll“

Einfach gesagt gibt es zwei Arten von Tierheimen:

  1. Von der Gemeinde, der Stadt oder dem Land unterhaltene Tötungsstationen, in denen oft auch gesunde Tiere getötet werden.
  2. Private Vereine, die Tiere retten, weitervermitteln und sie nicht töten.

Die erstgenannten haben ein Budget von der Regierung. Ihre Aufgabe ist es, der Bevölkerung zu dienen.  Das heißt sie müssen jeden Hund aufnehmen, der ihnen gebracht wird. Ohne Ausnahme.

Die gemeinnützigen Vereine sind durch Spenden finanziert und nicht verpflichtet alle Tiere aufzunehmen. Wenn sie voll sind, können sie sagen: „Tut uns leid, wir sind voll.“ Sie müssen also nicht mehr nehmen, als sie bearbeiten können. Deshalb wird es dort auch fast nie vorkommen, dass Tiere getötet werden.

Auf den ersten Blick scheinen die öffentlichen Stationen grausam

Die öffentlichen Stationen könnten aber auch einschläferungsfrei sein.  Nämlich dann, wenn sie genug Unterstützung bekommen, sodass sie in der Lage sind, alle Tiere zu retten.

Wie kann man das also schaffen?  Es gibt zwei wichtige Komponenten: Programme und Teilnehmer.

Zum einen die Programme zur Aufnahme der Tiere, zur Pflege, Medizinprogramme, Adoptionsprogramme oder Kastrationsprogramme. Es werden aber auch Teilnehmer gebraucht. Programme können nicht bestehen ohne Teilnehmer. Ein Hilfsprogramm ohne Teilnehmer ist kein Hilfsprogramm. Es ist unsere Aufgabe an diesen Programmen teilzunehmen, und sie erfolgreich zu machen.

Wer nicht möchte, dass Tiere eingeschläfert werden, sollte der erste sein, der an die Tür klopft und fragt: „ Wie kann ich helfen?“

Warum die Menschen in den Tötungsstationen nicht die Bösen sind

Manche behaupten, den Menschen in diesen Einrichtungen mache es Spaß, Tiere umzubringen. Tatsache ist aber, dass viele der dort arbeitenden Menschen unter Depression leiden, unter Burnout und viele begehen sogar Selbstmord. Einige mussten schon hunderte oder tausende von niedlichen Hunden einschläfern.

Die Entscheidung, ob diese Tiere leben, liegt nicht in der Hand der dortigen Mitarbeiter, sondern in unserer Hand. Dann machen wir den Unterschied zwischen Leben und Tod dieser Tiere. Wenn wir alle zusammen arbeiten, gewinnen die Tiere.

Was kann man also tun?

  1. Keine Hunde vom Züchter kaufen
  2. Die EU drängen, ein Tierschutzgesetz zu etablieren
  3. Programme zur Rettung der Tiere mit einer Spende unterstützen (Aufklärung, Kastration, Impfung, Adoption)

Es mag einfach sein mit dem Finger auf andere zu zeigen, aber es ist effektiver ihnen die Hand zu reichen.

5 Kommentare zu “„Ich bin so entrüstet über die osteuropäischen Tötungsstationen!“”

  1. Wenn Regierungen Geld zur Verfügung stellen, um Straßenhunde (oft aus o.g. Produktionswegen) zu beseitigen (!) – oft werden sie ja auch direkt beim Einfangen getötet- warum kein Geld für Kastrationen. Dann würde sich die Zahl doch automatisch verringern, der Staat würde langfristig sparen und könnte dann sinnvollere Projekte finanzieren.

  2. Ich kann es nicht ertragen, dass Lebewesen, gerade erst auf der Welt, ohne das Leben genossen zu haben, abgeschlachtet werden. Es sind Babies, die von ihren Müttern genauso geliebt werden wie unsere Kinder. Wie schön wäre es, könnten sie fröhlich über Wiesen springen. Ich könnte nur heulen.

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